Tanzplan Deutschland
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TANZLABOR_21 / Ein Projekt von Tanzplan Deutschland312


Aktuelles64
Stadt und Land frdern TANZLABOR_21 in gleicher Hhe weiter. Neu dazugekommen ist eine auf fnf Jahre angelegte Frderung des Kulturfonds Frankfurt_Rhein_Main und eine regionale Stiftungsallianz. Die so gesicherte Gesamtfrderung von jhrlich 560.000 Euro liegt damit noch ber dem bisherigen Tanzplan-Budget. Die durch Tanzplan initiierten neuen MA-Studiengnge werden von den Hochschulen in Frankfurt und Gieen ebenfalls weiter getragen. Damit knnen in Frankfurt alle Projektbestandteile erhalten und weiter ausgebaut werden. (Stand Mai 2011)620


Projektbeschreibung78
"TANZLABOR_21 / Ein Projekt von Tanzplan Deutschland" widmet sich der professionellen Ausbildung und verbindet alle tanzrelevanten Institutionen der Rhein-Main Region. Ziel ist die verbesserte Vernetzung von Tanzpraxis und Tanztheorie durch interuniversitre und interinstitutionelle Kooperationen.

Wichtig ist die Grndung neuer Masterstudiengnge, die den Praxisbezug der Tanzausbildung verstrken: ein Masterstudiengang Tanzpdagogik MAztp, der spezifisch fr zeitgenssischen Tanz seit Wintersemester 2007/08 an der Hochschule fr Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main (HfMdK) eingerichtet wurde (Leitung Prof. Kurt Koegel), und seit Wintersemester 2008/09 ein Masterstudiengang Choreografie und Performance CuP an der HfMdK und dem Institut fr Angewandte Theaterwissenschaften an der Universitt Giessen, in Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie (Leitung Prof. Dr. Gerald Siegmund).
Ferner wurde ein Tanzensemble aus Studienabsolventen und professionellen Akteuren gegrndet (PET), die in Zusammenarbeit mit Choreograf/innen prozessorientierte Bhnenerfahrung sammeln knnen. Darber hinaus wird ein regelmiges Profitraining fr professionelle Tnzer/innen und Tanzstudierende organisiert und ein biennales Sommerlabor (2008 und 2010) eingerichtet, welches die Ergebnisse des TANZLABOR_21 prsentiert. Mit einem Artist-in-Residence-Programm werden auch internationale Knstler/innen in das Projekt einbezogen. Schlielich wird das bereits bestehende Knstler in der Schule-Projekt im Bereich Tanz weiterentwickelt.

Mit der Projektleitung wurde das Knstlerhaus Mousonturm beauftragt, das Leitungsteam bilden Dieter Buroch, Knstlerhaus Mousonturm Frankfurt am Main GmbH, Prof. Heiner Goebbels, Institut fr Angewandte Theaterwissenschaft der Justus Liebig Universitt Giessen und Prof. Dieter Heitkamp, Hochschule fr Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main.

Ein Koordinationsbro, angegliedert an das Knstlerhaus Mousonturm, vernetzt die am Tanzplan Frankfurt beteiligten Institutionen, Produktionsgruppen, Schulen und Aktivitten und bernimmt die Presse- und Kommunikationsarbeit fr das Projekt.

Partner von TANZLABOR_21 / Tanzplan Frankfurt - Rhein-Main: Hessische Theaterakademie, Hessisches Ministerium fr Wissenschaft und Kunst, Institut fr Theater-, Film und Medienwissenschaft der Universitt Frankfurt, Dezernat Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main. Mit weiteren Partnern und Institutionen wurde Kontakt aufgenommen.
(Stand Mai 09)


Beitrag von Gabriele Wittmann in
"Jahresheft Tanzplan Deutschland 2006/07" (Mrz 07)


Lcken schlieen, Schnittstellen ffnen
Frankfurt war nie eine Stadt, in der man das Reprsentative des Theaters feierte. Hier entstanden eher experimentelle, dabei wegweisende Positionen wie die eines William Forsythe oder Einar Schleef. An diese historische Position knpft der Titel des Tanzplans fr die Region Frankfurt-Rhein-Main: "Tanzlabor_21" steht fr die experimentelle und prozessorientierte Verbindung von Praxis und Theorie. Tanzwissenschaft soll nicht als theoretische Disziplin neben der Praxis stehen, sondern in die Tanzausbildung und die ffentliche Wahrnehmung von Tanz eingebunden werden, und umgekehrt soll die Praxis strker in die theoretische Ausbildung flieen. Dieser Grundgedanke zieht sich durch alle im Rahmen von Tanzlabor _21 geplanten Projekte er gilt fr die zwei neu zu grndenden Masterstudiengnge ebenso wie fr die Netzwerkarbeit bestehender Institutionen, die den Tanzschaffenden der Region Arbeits- und Entwicklungsprozesse ermglichen soll.

Als Leitungsteam des Tanzplan Frankfurt Rhein_Main haben sich drei Praktiker zusammengeschlossen: Dieter Buroch fhrt das Knstlerhaus Mousonturm, Dieter Heitkamp leitet den Ausbildungsbereich Zeitgenssischer und Klassischer Tanz (ZuKT) an der Hochschule fr Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK), Heiner Goebbels leitet in Gieen das Institut fr Angewandte Theaterwissenschaft. Melanie Franzen koordiniert die Projekte in einem flexiblen, am Mousonturm eingerichteten Betriebsbro.

Wer unterrichtet im zeitgenssischen Tanz? Meist jemand aus der Szene, der bereits selbst viel getanzt hat Didaktik spielte bislang eine untergeordnete Rolle. Dies zu ndern, wird an der HfMDK ein Masterstudiengang "Zeitgenssische Tanzpdagogik" gegrndet, der im Wintersemester 2007/08 beginnt. Als Professor wurde der amerikanische Tnzer, Choreograf und Tanzpdagoge Kurt Kgel berufen. Anfangs alle zwei Jahre werden hier etwa zehn Studenten aufgenommen, die neben ihrer Ausbildung mehrjhrige Tanzpraxis vorweisen mssen. Whrend ihres Studiums sollen sie abgesehen von den Mglichkeiten zum Engagement, die Frankfurt ihnen bietet im Rahmen der Hessischen Theaterakademie als Trainingsbegleiter bei hessischen Compagnien hospitieren und eigene Erfahrungen als Trainingsleiter sammeln. Weitere Qualifizierungsangebote werden fr Studenten der Sportwissenschaften der Universitten in Frankfurt und Gieen geschaffen, was fr mehr Qualitt im Zuge der Einfhrung tnzerischer Angebote an Schulen sorgen soll; gleichzeitig bereichern die Kenntnisse der Sportwissenschaftler auch die tanzpdagogische Ausbildung, beispielsweise zur Optimierung von Trainingsmethoden.

Der zweite Studiengang in Grndung ist der Masterstudiengang "Choreografie/Performance". Er soll eine Lcke schlieen, die die Praxis choreografischer Arbeit aufgeworfen hat: Es gengt heute nicht mehr, "gut tanzen" zu knnen sptestens seit den 1970er Jahren wird mit allen dem Theater zur Verfgung stehenden Mitteln gearbeitet. Parallel dazu hat sich in den Geisteswissenschaften das Wissen ber den Krper vervielfacht. Um dieser wachsenden Komplexitt gerecht zu werden, mssen Praxis und Theorie verschrnkt werden. Knftige Choreografen sollen durch theoretische Grundlagen in die Lage versetzt werden, ihre Praxis kritisch zu reflektieren. Umgekehrt ist die praktische Erprobung von Konzepten Grundlage fr die knstlerische Entwicklung. Der Fokus des Studiengangs Choreografie/Performance liegt auf der Schnittstelle zwischen choreografischen und performativen, postdramatischen und intermedialen Anstzen; das Verstndnis von Tanz umschliet Bewegung und Krper im weitesten Sinne. Der Studiengang ist angesiedelt zwischen der Tanzabteilung der HfMDK Frankfurt und dem Institut fr Angewandte Theaterwissenschaft Gieen, in Kooperation mit der Hessischen Theaterakademie. Er beginnt im Wintersemester 2008/09.

Wohin gehen junge Tnzer nach ihrem Studium? Eine Mglichkeit ist knftig das experimentell angelegte "Projektensemble TLB". Ausgewhlte Absolventen der Studiengnge in Frankfurt (ZuKT) und Gieen erarbeiten hier im Laufe eines Jahres ein Stck und erhalten dabei die Mglichkeit, gemeinsam mit professionellen Akteuren Berufserfahrungen zu sammeln. Das erste Projektensemble recherchiert im Kollektiv, mit dem Ex-Forsythe-Tnzer Nik Haffner als Mentor. Nach einer Intensivwoche im Dezember 2006 entwickelt es derzeit eine Performance, die im Juni zur Auffhrung kommen und im nchsten Jahr touren soll.

Im Januar 2007 erffnete mit der Ex-Forsythe-Tnzerin Christine Brkle das knftig tglich werktags stattfindende "Profitraining" in den Rumen des Dr. Hoch's Konservatorium. Hier erhalten nicht nur Tnzer des Projekt-Ensembles und Tanzstudenten Training, sondern es steht allen Tnzern der Stadt offen. Eine Neuigkeit fr Frankfurt, wo es bislang kein regelmiges offenes Training gab, und durchaus erschwinglich: Eine Trainingseinheit kostet vier Euro, zehn 25 Euro. Die regionale Szene soll sich hier professionalisieren knnen und Tnzer und Studienabsolventen einen Anreiz erhalten, in der Stadt zu bleiben, eigene Projekte zu verwirklichen oder mit Choreografen vor Ort zu arbeiten. Unterrichtet wird von wechselnden Gsten. Wenn Choreografen wie Olga Cobos und Peter Mika an der HfMDK ein Projekt mit den Tanzstudenten erarbeiten, werden sie auch ein Profitraining geben. Parallel dazu bieten Gste sonnabends offene "Masterclasses", in denen sie ihre Arbeitsanstze vermitteln. Den Auftakt machten Ginette Laurin, Richard Siegal, John Jasperse und Anouk van Dijk. Geplant sind auerdem knstlerische Residenzen, durch die Gastknstler in Frankfurt ihren Recherchen nachgehen knnen und ihrerseits angehenden Knstlern im Studiengang Choreografie/Performance u.a. als Tutoren zur Seite stehen.

Auch fr den jungen Nachwuchs wird gesorgt: In Darmstadt gelingt es einer engagierten Lehrerin bereits seit Jahren, der 12. Klasse ein halbes Jahr lang Tanz- statt Sportunterricht anzubieten. Nun soll "Tanz in Schulen" an drei weiterfhrenden Schulen in Frankfurt, Offenbach und Darmstadt stattfinden. Ein Choreograf betreut das Projekt, zusammen mit Tanzpdagogik- und Sportstudenten sowie einem Lehrer der jeweiligen Schule. Dokumentiert und evaluiert wird dieser Prozess durch Studenten der Sportwissenschaft. Das langfristige Ziel lautet: Tanz wird Teil des Regelunterrichts in Schulen.

An neuen Formen experimentieren, Beispiele diskutieren: Dazu ldt ab 2008 das Sommerlabor, eine biennale Werkstatt fr professionelle Knstler. Hier wird sich das Tanzlabor_21 mit seinen Aktivitten prsentieren, ergnzt durch international ausgerichtete Workshops, Vortrge und Arbeitsdemonstrationen. Eine weiteres wichtiges Unternehmen des Frankfurter Tanzplans ist der Aufbau eines Videoarchivs, das die Materiallage fr Choreografen und fr den tanzhistorischen Unterricht an deutschen Hochschulen verbessern soll. Es entsteht in Zusammenarbeit mit dem Mousonturm, der HfMDK und dem Institut fr Angewandte Theaterwissenschaft. Langfristig ist eine Zusammenarbeit mit den Tanzfilmarchiven in Bremen, Leipzig und Kln geplant.

Was verstehen von alledem die Zuschauer? In der neuen Reihe "talkART tanzlabor" sprechen Knstler mit dem Publikum ber ihre Arbeit. Fr 2007 sind 20 solcher talkARTs am Mousonturm geplant. Zustzlich wird es neue Formate wie Lecture Performances geben, Hautsache Bewegung bildet im April den Auftakt.314

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