Tanzplan Deutschland
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Take-off: Junger Tanz. Tanzplan Dsseldorf260


Aktuelles64
Das Land hat seine Frderung auf 100.000 Euro verdoppelt, die Stadt hat ihren Zuschuss um 40.000 Euro auf 190.000 Euro erhht, beide Frderer haben jeweils weitere 30.000 in Aussicht gestellt. Zur Strkung der internationalen Zusammenarbeit hat Take-off mit Produktionspartnern aus sterreich, Belgien und den Niederlanden das Netzwerk Fresh Tracks Europe gegrndet, das von der Europischen Kommission untersttzt wird. Damit sind in Dsseldorf die Grundlagen fr die Tanzkunst fr und mit Jugendlichen auch fr die Zukunft gesichert. (Stand Mai 2011)618


Projektbeschreibung78
Mit "Take-off: Junger Tanz" hat Dsseldorf ein Gesamtkonzept zur Erforschung und Entwicklung der knstlerisch qualifizierten Vermittlung von Tanzkunst an Kinder- und Jugendliche in Dsseldorf und in Nordrhein-Westfalen vorgelegt (lesen Sie den Zwischenbericht von 2008 bitte hier). Durch eine aktive Teilhabe und Lehre sensibilisiert es Kinder und Jugendliche fr die Kunstsparte Tanz und ebnet ihnen den mglichen Weg zum Beruf als Tnzer und/oder Choreografen.

"Take off: Junger Tanz" knpft an die Breitenarbeit des tanzhaus nrw an und schafft in Dsseldorf vllig neue und nachhaltige Strukturen fr junge Tanzkunst. Angefangen bei der Vermittlung von Tanz im Vorschulalter, wird nach einem Stufenplan ein expandierendes Netzwerk von schulischen Kultur- und Freizeiteinrichtungen in der Stadt geknpft. In der Aus- und Weiterbildung von Pdagogen, Tnzern und Choreografen wird gezielt fr die schulische und auerschulische Vermittlungsarbeit ausgebildet.

Die Gesamtverantwortung und Leitung des Projekts liegt beim tanzhaus nrw. Das Projekt wird sowohl von einem Fachbeirat begleitet als auch durch einen Veranstalterbeirat, dem Vertreter der Spiel- und Produktionssttten, der beteiligten pdagogischen und weiterbildenden Institutionen angehren. Kooperationspartner sind die Filmwerkstatt, das Forum Freies Theater, das Kinder- und Jugendtheater des Schauspielhauses Dsseldorf, NEUER TANZ, das tanzhaus nrw, die Tonhalle sowie langfristig kooperierende schulische Kinder- und Jugendeinrichtungen, die Universitt Dsseldorf, ortsansssige und externe Choreograf/innen, Tnzer/innen und Tanzpdagog/innen.

Um mglichst viele Kinder und Jugendliche mit einem vielseitigen Angebot zur Rezeption und aktiven Teilhabe an verschiedenen Formen des Tanzes zu erreichen, werden in Zusammenarbeit mit Grund- und weiterfhrenden Schulen, Kindergrten und Jugendfreizeiteinrichtungen Tanzkunstpakete erarbeitet. Sie bestehen aus ein- bis mehrtgigen Tanzworkshops, Vorstellungs- und/oder Probenbesuchen und deren Vor- und Nachbereitung sowie eigenen Produktionen. Das Projekt wird sowohl nach Altersgruppen als auch nach sthetischen Ausrichtungen differenziert (Zeitgenssischer Tanz, Tanztheater, HipHop oder Tanzkulturen). Darber hinaus gibt es Gastspielreisen der von Kindern und Jugendlichen erarbeiteten Tanzproduktionen. Ein Mal jhrlich findet in den Herbstferien das "take-off"-Festival statt mit Bhnenvorstellungen, Tanzcamps, Workshops und vielen anderen Angeboten.
(Stand Mai 2009)

Beitrag von Gesa Plert im
"Jahresheft Tanzplan Deutschland 2006/07" (Mrz 07)


Alles tanzt. Das Publikum von Morgen
Ein gewisses utopisches Moment war immer Teil des Selbstverstndnisses am Dsseldorfer tanzhaus nrw, von den Anfngen des Hauses in der alternativen Subkultur bis heute, wo dort Weltmusik, unterschiedlichste Tanzkurse und ein international gut vernetztes zeitgenssisches Bhnenprogramm koexistieren. Zu groer Form luft diese spezifische Form von Kunstverstndnis auf, seit hier die Dsseldorfer Plne fr den Tanzplan Deutschland geschmiedet werden: Meine Vision ist, dass ganz Dsseldorf tanzt, hat Bertram Mller, Chef des Hauses, zu Beginn des Projekts Tanzplan verkndet. Jeder, der hier lebt, soll sagen knnen: Dsseldorf ist eine Tanzstadt!

Im Fokus solcher Zukunftsvisionen stehen die, die noch ein ganzes Tnzer- oder Zuschauerleben vor sich haben, vorausgesetzt, dass sie denn Lust darauf bekommen. Take-off: Junger Tanz. Tanzplan Dsseldorf ist komplett dem Kinder- und Jugendtanz gewidmet. Der Plan will vor allem etwas fr das Publikum von Morgen tun, gerade auch da, wo es sonst wenig Berhrung mit dem Kulturleben der Stadt gibt.

Ein Beispiel dafr ist die Hauptschule Itterstrae, gelegen in einem der unansehnlicheren Randgebiete der Landeshauptstadt. Schon im September 2006 hat Tnzerin und Tanzpdagogin Amelie Jalowy hier ihre erste Schulstunde abgehalten, eine Mischung aus Unterrichtsgesprch und kleinen choreografischen Praxisbungen. Siebzehn Sechstklsslerinnen sind in ihrem Kurs, alle hatten auf Anhieb etwas zum Thema Tanz zu sagen. Neu fr alle: Tanz ist hier Unterrichtsfach. Seit Schuljahresbeginn unterrichten Tanzpdagogen an neun Dsseldorfer Schulen und Kindergrten. Die Schule an der Itterstrae ist die erste, an der Tanz fnf Jahre lang als regulres Fach im Stundenplan steht eine Premiere in Deutschland, wo man eigentlich erst mit Royston Maldoom auf den Tanz als Sparte kultureller Bildung aufmerksam geworden ist.
Maldooms Botschaft You can change your life in a dance class publikumswirksam umgesetzt in dem Film Rhythm is it, der die Zusammenarbeit des Choreografen und der Berliner Philharmonikern mit 250 Jugendlichen dokumentiert hat in kultur- und bildungspolitischen Chefetagen groe Begeisterung fr den Tanz als integrative Kunstform ausgelst. Modelle fr eine umfassend vernetzte tnzerische Breitenarbeit fr Schul- und Vorschulkinder gab es bisher aber nicht. Hier kommt "Take-off: Junger Tanz" ins Spiel, wie ihn sich das Kuratorium des Tanzplans und das Dsseldorfer Partner-Netzwerk vorstellen: als exemplarischer Modellversuch. Insgesamt eine Million Euro stehen zur Verfgung, um den zeitgenssischen Tanz fest in Dsseldorfer Schulen, Jugendzentren und Kulturinstitutionen zu verankern. Ein wissenschaftliches Begleitprogramm soll das Potenzial dieser Arbeit evaluieren. Erklrtes Ziel ist es laut tanzhaus-Leiter Bertram Mller, "ganz neue, nachhaltige Strukturen im Kinder- und Jugendtanz zu schaffen und damit einen politischen und knstlerischen Prozess zugleich in Gang zu bringen."

Ein umfangreiches, in Absprache mit ber zwanzig regionalen Partner-Institutionen entstandenes Planungspapier sieht einen vielfltig ausdifferenzierten Stufenplan vor, in dem von der Lehrerausbildung bis zur knstlerischen Produktion so ziemlich alle Aspekte des Kinder- und Jugendtanzes bedacht sind. Auer den kooperierenden Schulen, Jugendzentren, Kitas, Theaterhusern und Institutionen wie der Dsseldorfer Filmwerkstatt sind auch Weiterbildungseinrichtungen wie die Akademie Remscheid oder das Deutsche Institut fr Tanzpdagogik mit im Programm. Schlielich richten sich die Angebote nicht nur an Kinder und Jugendliche in vier Altersstufen (3-6, 6-10, 10-15, 15-18 Jahre), sondern auch an Lehrer, Tanzpdagogen, Tnzer und Choreografen sowie Institutionen.

Basis des Projekts ist die Zusammenarbeit von Theatern mit Schulen und Jugendclubs. Letztere bekommen im Rahmen von "Take-off: Junger Tanz" ganze "Tanzkunstpakete" geschnrt. Solche Pakete beinhalten Tanzunterricht, Vorstellungs- und Probenbesuche, theaterpdagogische Vor- und Nachbereitung der Auffhrungen sowie Tanzprojekte mit Jugendlichen. Je nach Alter und Interesse wird HipHop, Tanztheater, zeitgenssischer Tanz oder Community Dance angeboten; vor allem letzteres auch mit Untersttzung von Choreografen aus dem Ausland. Daneben gibt es ein wachsendes Angebot eigens produzierter Stcken; Ziel sind etwa 20 Choreografien in fnf Jahren. "Es geht uns um eine systematische Vermittlung der Grundlagen und der Vielfalt des zeitgenssischen Tanzes", sagt Martina Kessel, Projekkoordinatorin des Tanzplans Dsseldorf. Sogar der Dsseldorfer Choreograph und Bhnenbildner V.A. Wlfl (Neuer Tanz) hat sich bereit erklrt, seine Stcke im Rahmen eines theaterpdagogischen Angebots zu zeigen und vermitteln zu lassen.

Inzwischen hat Take-off seine eigene Website, erste eigene Stcke sind entstanden, und das tanzhaus nrw wie auch das Forum Freies Theater casten bereits junge Tnzer fr Neuproduktionen. Schon im September und Oktober des vergangenen Jahres feierte Dsseldorf mit einem groen Herbstferien-Tanzcamp und einem Festival die erste Tanzplan-Saison (beides ist auch bereits fr 2007 geplant). Zehn Produktionen fr junges Publikum waren in dieser Zeit am tanzhaus nrw, im Jungen Schauspielhaus, im Forum Freies Theater und in der Tonhalle Dsseldorf zu sehen. Gleich am ersten Tag demonstrierten dabei die Erffnungsstcke, was einerseits der Mainstream der Kinder- und Jugendtanzstcke ist - und was andererseits knstlerisch mglich ist.
Das Timbuktu Trio der niederlndischen Meekers-Compagnie setzte auf lustiges Bhnenbild und berdeutliche Tanz-Pantomimen und gebrdete sich damit uerst konventionell verstanden kindgerecht. Die Schauspieler, Tnzer und Multimediaknstler der italienischen Compagnia T.P.O. dagegen projizierten in Der japanische Garten ganze Bilderbcher auf einen interaktiven Tanzteppich, die vom Zuschauer mit gestaltet und am ganzen Krper erlebt werden konnten: Endlich einmal eine Vision davon, wie neue Formen von Kindertanztheater aussehen knnten.

Natrlich verndert Tanz ein Leben selten in einem Tag. Diese ganze Diskussion geht noch nicht tief genug, sagt Royston Maldoom, der als "Take-off"-Kooperationspartner gewonnen werden konnte, zu all den Wnschen, die die Politik pltzlich an den Tanz hat. "Es beunruhigt mich, wenn die Leute die Kunst einfach als eine Art Sekundenkleber fr nicht funktionierende Systeme begreifen."

Nachhaltige Wirkung ist deshalb Ziel des gesamten Tanzplans, fr Dsseldorf hiee das: Dass nach fnf Jahren Untersttzung durch den Tanzplan Deutschland ein Modell geschaffen wre, das sich ohne die Untersttzung der Kulturstiftung des Bundes selbst trgt und bestenfalls auch auf andere Stdte und Theater bertragen liee. Strukturell hat der Plan dafr gute Chancen und Voraussetzungen. Vor allem das tanzhaus nrw und das Forum Freies Theater haben seit Jahren eigene Kinder- und Jugendtanzprogramme und werden dabei von einer konsequenten Politik fr den Tanz in Stadt und Land nach Krften untersttzt; der neue Kulturstaatssekretr und langjhrige Tanz-Frderer Grosse-Brockhoff hat Tanz und die Arbeit mit Kindern gar zu einer Prioritt seiner Politik erklrt.262

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