Tanzplan Deutschland
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Aktuelles64
Das Semperoper Ballett, die Palucca Hochschule fr Tanz Dresden und Hellerau hatten - als groe von Stadt und Land gefrderte Institutionen - die Tanzplan-Aktivitten aus ihren eigenen Budgets ko-finanziert. Sie werden ihre Kooperationen fortsetzen, z.B. bei der Tanzplattform 2012, der Biennale Tanzausbildung 2014 und vielen weiteren Aktivitten. Hellerau hat Anfang 2011 in Zusammenarbeit mit TanzNetzDresden, einem neu gegrndeten Zusammenschluss von Tnzern und Choreografen, mit Linie 8 eine eigene Veranstaltungsschiene fr die freie Szene etabliert. (Stand Mai 2011)617


Projektbeschreibung78
Tanzplan Dresden ist ein Gemeinschaftsprojekt von drei Dresdner Institutionen: Palucca Schule Dresden Hochschule fr Tanz, Dresden Semperoper Ballett und HELLERAU Europisches Zentrum der Knste Dresden. Er bietet jungen Tnzern die Mglichkeit, sich durch die Zusammenarbeit mit erfahrenen Choreografen erste Eigenproduktionen sowie durch Workshops auf den Einstieg in eine professionelle Tanzkarriere vorzubereiten.

Knstlerische Leiter sind der Rektor der Palucca Schule, Prof. Jason Beechey, der Direktor des Dresden Semperoper Balletts, Aaron S. Watkin und der Knstlerische Leiter von HELLERAU Europisches Zentrum der Knste Dresden, Dieter Jaenicke. Tanzplan Dresden wird vom Amt fr Kultur und Denkmalschutz der Stadt Dresden als Projekttrger sowie von weiteren Partnern untersttzt.

Schwerpunkte von Tanzplan Dresden sind jedes Jahr mehrere Produktionen mit Tanz, eine Workshopwoche im Winter (ImproWinter) und eine Sommerwerkstatt inklusive Kurzresidenzen an der Palucca Schule.

Tanzplan Dresden entwickelt jhrlich zwei Produktionen fr die Studiobhne der Semperoper semper kleine szene und eine fr das Festspielhaus Hellerau, die anschlieend nach Mglichkeit auf Tournee gehen. Im Festspielhaus Hellerau arbeiten erfahrene Choreografen mit Absolventen oder Studierenden des Tanzes zusammen. Fr die Realisierung der Projekte in der semper kleine szene schreibt Tanzplan Dresden regelmig Frdergelder aus, fr die sich junge Choreografen aus aller Welt mit interdisziplinren Konzepten bewerben knnen. Die zur Frderung ausgewhlten Choreografen werden whrend der zweimonatigen Produktionsphase in Dresden von einem Mentor untersttzt.

Im Mittelpunkt des ImproWinters steht die Improvisation. Verschiedene tnzerische Improvisationstechniken werden durch unterschiedliche Anstze aus Theater, Musik, Kunst, Architektur, Film und den Neuen Medien ergnzt. Der einwchige Workshop ist fr professionelle Tnzer, Studierende der Fachrichtungen Tanz, Tanzpdagogik und Choreografie sowie Vertreter anderer Knste und Wissensbereiche gedacht und bietet die Mglichkeit, die Grenzen zwischen Kunst, Wissenschaft und Technologie kreativ zu erkunden und improvisierend zu berschreiten.

Die Sommerwerkstatt fr Tanz findet jeweils in den Sommerferien statt und bietet Tnzern und Knstlern anderer Disziplinen sowie Studierenden dieser Bereiche eine Plattform des internationalen und interdisziplinren Austauschs. Im Mittelpunkt steht hier der zeitgenssische Tanz als knstlerisches Ausdrucksmittel, das ein vielgestaltiges Vokabular einschliet und sich im Austausch mit verschiedenen Knsten stndig weiterentwickelt. Arbeitsstipendien fr junge Choreografen, sog. Creative Residencies, ergnzen das Angebot.

(Stand: Dezember 2009)

Beitrag von Katrin Bettina Mller im
"Jahresheft Tanzplan Deutschland 2006/07" (Mrz 07)


Interdisziplinaritt und Freiraum
Die Palucca-Schule in Dresden hat seit dem letzten Sommer ein schnes neues Haus: berall Tageslicht in den Studios, Ausblicke durch zweigeschossige Glaswnde, transparente bergnge zwischen den Gebude-Elementen. Ein idealer Ort, um mit der Ausbildung von Tnzern, Choreografen und Tanzpdagogen noch einmal neu durchzustarten und ein idealer Ort fr einen Workshop fr Tanz und die bewegte Kamera. Und ein solcher ist, von Lutz Gregor geleitet, Teil des ersten ImproWinters in der Palucca Schule, einem der ersten Projekte des Tanzplans Dresden.

Ein Trio arbeitet an der Treppe, die zwischen den Gebudekuben ins Freie fhrt. Eine Tnzerin mit Kamera luft in groen Schleifen um ein Paar, das sich hier begegnet und wieder verliert. Spter wird man sehen, wie sie die Kamera entlang der Blicke zwischen den Tnzern gefhrt und die Momente der Anziehung und Abstoung potenziert hat.

Von den zwlf Teilnehmern des Kurses sind drei medientechnisch ausgebildet, die anderen nehmen die Kamera zum erstenmal in die Hand. Fr Lutz Gregor ist sie vor allem ein Instrument zur Schrfung der visuellen Wahrnehmung. Das Showing der Gregor-Klasse am letzten Abend des ImproWinters mndet in einer Gruppenimprovisation, die sich aus den Bewegungen entwickelt, mit der die Kamera-Tnzer ihre Kollegen verfolgt haben. Das wirkt sehr dramatisch, recht lustig und ist auch eine kleine Miniatur ber die Macht des Blicks, die Aneignung durch das Sehen und das Gefangennehmen im Rahmen eines Bildes.

Solche Erfahrungen zwischen den Knsten hlt Jason Beechey fr sehr wichtig. Der Kanadier mit belgischem Pass ist seit dem Wintersemester 2006 neuer Rektor der Palucca-Schule und einer der drei knstlerischen Leiter des Tanzplan Dresden. Seine Erfahrungen als Gastdozent in verschiedenen Lndern haben ihm gezeigt, dass ausgebildete Tnzer oft noch viel zu wenig mit der Improvisationen als Weg der Bewegungsfindung oder mit Medien als Instrument der Reflexion der eigenen Arbeit umgehen knnen. Interdisziplinaritt und Freiraum fr Experimente steht deshalb ganz oben auf seiner Liste der Ziele fr die Palucca-Schule. Darin trifft er sich mit den anderen knstlerischen Leitern des Tanzplans Dresden, Aaron Watkin, Direktor des Balletts der Semperoper, und Udo Zimmermann, Intendant des Europischen Zentrums der Knste in Hellerau.

Alle drei verbindet die Stimmung eines Neuanfangs: Sie haben ihre Aufgaben bernommen mit dem Wissen, dass historisches Ansehen und kulturelles Erbe allein fr die Zukunft der Kultur nicht mehr gengend Perspektive bieten. Fr Hellerau ist der Sprung am grten: Das lange brach liegende, heute sanierte Festspielhaus bildet eine Hlle, fr die Udo Zimmermann an einem neuen Programm der Einheit von Experimentieren und Produzieren arbeitet. In der 1911 erbauten "Ausbildungssttte fr rhythmische Gymnastik", die rasch zumTreffpunkt der europischen Avantgarde wurde, zeigt seit der Wiedererffnung 2006 auch William Forsythe seine Stcke und will, wenn auch Arbeits- und Wohnrume geschaffen sind, hier auch Produktionen entwickeln. Er ist am Tanzplan Dresden nicht direkt beteiligt und doch eine der Personen, die fr die vielen neuen Plne in der Tanzlandschaft Dresden die Energien freigesetzt haben.

Seitdem denkt man in Dresden gro in Sachen Tanz. Der Tanzplan Dresden ist einer der vielen Schritte, dem Ziel nher zu kommen: Dresden soll wieder auf der internationalen Karte wichtiger Tanz- und Kulturzentren markiert werden, nicht nur durch die Forsythe-Company, sondern auch mit anderen Projekten aus der Stadt. Auch das ist ein Anliegen, das die Palucca Schule mit Hellerau und dem Ballett der Semperoper verbindet. Untersttzung erhalten sie durch das auerordentliche Engagement des Dresdner Amts fr Kultur und Denkmalschutz, dessen stellvertretende Leiterin Doris Oser eine der treibenden Krfte zur Realisierung des Tanzplan Dresden war.

Wie die Neupositionierung schon funktioniert, veranschaulichen die Schlerzahlen der Palucca Schule. Zum Wintersemester 2006/07 sind so viele Studenten wie noch nie an der Hochschule fr Tanz registriert, 245, ber 60 mehr als im Vorjahr. Mehr als die Hlfte der Neuzugnge kommen aus dem Ausland. Das erklrt sich nicht nur durch die Kapazitten des Neubaus, sondern auch dadurch, dass die Ausbildung in Dresden, anders als an vergleichbaren Schulen in England zum Beispiel, noch kostenlos ist. Vor allem aber ist Beecheys Aktionsradius und Erfahrung im Aufbau von Netzwerken fr den Zulauf entscheidend. Die nchsten Aufnahmeprfungen fr die Palucca Schule hlt er neben Dresden, Berlin, Leipzig, Dsseldorf in acht weiteren europischen Stdten ab.

Der einwchige ImproWinter, 2007 von 90 Teilnehmern mit unterschiedlichen Voraussetzungen besucht, ist das kleinste der vier jhrlichen Projekte des Tanzplan Dresdens. Das Pendant ist die interdisziplinre Sommerwerkstatt, die sich an professionelle Tnzer und Knstler anderer Genres als Weiterbildungsangebot richtet und ebenfalls 2007 erstmals stattfinden wird.

Eine besondere Bedeutung kommt den jhrlich zwei Produktionen zu, die jungen Tnzern durch die Arbeit mit erfahrenen Choreografen als Einstieg in die professionelle Arbeit dienen sollen. Diese neue Schnittstelle zwischen Ausbildung und Engagement ist unter anderem fr die Meisterschler der Palucca Schule gedacht. Im ersten Jahr nehmen daneben Tnzer des europischen Netzwerks D.A.N.C.E. teil, des von Beechey mitgegrndeten Dance Apprentice Network aCross Europe, das auch als Koproduzent auftritt. Der franzsische Choreograf Angelin Preljocaj und der Brite Wayne McGregor choreografieren diese ersten Tanzplan Dresden Produktionen (Premiere Mrz 2007 im Festspielhaus Hellerau). Beide sind interdisziplinr angelegt: In Fire Sketch von Preljocaj ist die elektronische Musik von Laurent Garnier ein entscheidendes Element, in The Living Archive, das McGregor mit Palucca Schlern erarbeitete, geht es um die Erforschung kognitiver Fhigkeiten und des menschlichen Gedchtnisses als Quelle der Entscheidungsfindung. Eine anschlieende Tournee gehrt zum Plan.

Sieht man auf den Stadtplan von Dresden, dann liegt die Palucca Schule sdlich des Zentrums und das Festspielhaus Hellerau in der nrdlichen Gartenstadt. Dazwischen thront die Semperoper im Herzen der Stadt, ein Magnet von ungebrochener Anziehungskraft. Ihr Ballett allerdings spielte international lange keine Rolle mehr, seit fnf Jahren war die Company nicht mehr auf Tournee, wie Aaron Watkin, Ballettchef seit August 2006, feststellen musste. Mit einem 56-kpfigen Ensemble, davon 32 Neuzugnge, arbeitet er nun an einer Erweiterung des klassischen Repertoires um zeitgenssische Choreografien, unter anderem von William Forsythe, Jiri Kylin und dem Hauschoreografen David Dawson.

Beim Aufbau eines neuen Profils des SemperOper Balletts ist die Zusammenarbeit mit der Palucca Schule im Tanzplan Dresden ein wichtiges Zeichen. Wenn Palucca-Schler im Elevenprogramm mit auf der Bhne der Semperoper stehen, Preljocaj mit ihnen ein Stck entwickelt oder die Ballettmeisterin Laura Graham im ImproWinter ein morgendliches Warm-up anbietet, dann ist das ein Sprung ber einen Graben, der unverzeihlich lange offen war und eine lngst berholte Trennung zwischen Ballett und zeitgenssischem Tanz knstlich behauptete. Gemessen an der Jahrzehnte whrenden Trennung zwischen dem Ballett der Semperoper und der Palucca Schule ist das schon eine kleine Dresdner Sensation.236

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