Tanzplan Deutschland
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Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz - Pilotprojekt Tanzplan Berlin703


Aktuelles706
Das HZT wurde in die Berliner Hochschulverträge 2010-13 aufgenommen, wodurch seine Finanzierung weitgehend gesichert werden konnte; 2010/11 erhält es mit den Mitteln aus dem Masterplan Ausbildungsoffensive für den Aufbau neuer Studienplätze jährlich 1,15 Millionen Euro. Nach der Erprobung der Studiengänge mit je einer Gruppe Studierender hat das HZT nun einen regulären Studienbetrieb mit jährlicher Aufnahme aufgenommen. Bis Ende 2012 wird die volle Studienkapazität mit mehr als 70 Studierenden in den drei Studiengängen erreicht sein. (Stand Mai 2011)707


Projektbeschreibung665
Mit dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz in Berlin wurde erstmals eine zeitgenössische Ausbildungsstätte für Tanz und Choreografie in der Hauptstadt geschaffen werden. Freie Szene und Hochschulen kooperieren dabei in der Planung und Umsetzung. Unter der Federführung des Berliner Senats sind als Projektpartner die Universität der Künste (UdK), die Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" (HfS) und die freie Tanzszene, vertreten durch den TanzRaumBerlin, beteiligt. Eine 4-jährige Pilotphase der Recherche und Erprobung war als Grundlage für den Aufbau des neuen Instituts geschaffen. Bis 2009 konnten Studiengänge für Tanz, Choreografie und Pädagogik auf Bachelor und Master Niveau erarbeitet werden.

Das entscheidungsbefugte Gremium des HZT Berlin ist die Gemeinsame Kommission. Diese setzt sich zusammen aus den Professor/innen Peter Kock, Rhys Martin (beide UdK), Ingo Reulecke und Dr. Alex Arteaga (beide HfS), Dr. Kattrin Deufert, Nik Haffner (beide durch das Netzwerk TanzRaumBerlin vorgeschlagen); den Mittelbau vertreten Dr. Christiane Berger (HfS) und Constanze Klementz (UdK) sowie der Geschäftsführenden Direktorin Eva-Maria Hoerster. Die Studierendenpositionen sind derzeit nicht besetzt. Aus der Mitte der Gemeinsamen Kommission wird das Direktorium gewählt, dem Prof. Nik Haffner, Eva-Maria Hoerster und Prof. Ingo Reulecke angehören.
 
Beraten wird die Gemeinsame Kommission durch zwei vom Senat berufene Gremien: Internationaler Beirat: Dr. Ric Allsopp - Dartington College of Arts, GB; Dr. Anita Donaldson – Dekanin, Hong Kong Academie for Performing Arts; William Forsythe - Choreograf, Dresden und Frankfurt/Main; Prof. Dr. Gabriele Klein - Tanzwissenschaftlerin, Universität Hamburg, und Scott deLahunta - Tanzforscher, Autor und Berater, NL/GB/USA. Fachkommission: Prof. Dr. Gabriele Brandstetter (Freie Universität Berlin), Prof. Rhys Martin (UdK), Helge Musial (HfS), Thilo Wittenbecher und Martin Nachbar (beide Netzwerk TanzRaumBerlin).

Das Pilotprojekt ist auf vier Jahre angelegt. Das Kuratorium des Tanzplan Deutschland hatte zunächst eine Förderung von bis zu € 260.000,- für die Recherchephase bis Ende 2006 bewilligt. Im Rahmen dieser Recherche wurden in diesem Jahr u.a. international renommierte Ausbildungsinstitutionen besucht und deren Curricula auf ihre Tauglichkeit für Berlin hin überprüft werden. Kontakte bestehen hier zu Laban London, Institut Dance Arts Linz, CND Paris, SNDO, Dance Unlimited Amsterdam und P.A.R.T.S. Brüssel.

Auf der Grundlage der Rechercheergebnisse und der Vorlage des Curriculums sowie des Organigramms des geplanten Zentrums entschied das Tanzplan-Kuratorium am 30. November 2006 über eine weitere Förderung.

Das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz Berlin wurde 2006 als Pilotprojekt Tanzplan Berlin eingerichtet, um eine neue qualifizierte Hochschulausbildung im Bereich des zeitgenössischen Tanzes aufzubauen. Seit April 2010, nach Auslaufen der vierjährigen Pilotphase, wird das HZT Berlin in der Trägerschaft der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" in Kooperation mit dem Netzwerk TanzRaumBerlin fortgeführt.

Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Umbau der ehemaligen BVG Werkstatthallen - dank einer Zuwendung der Stiftung Deutsche Klassenlotterie - und mehr als zwei Jahren künstlerischer Zwischennutzung bezieht das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz Berlin im Oktober 2010 fünf der 14 Uferstudios. Damit wird die Uferstraße 23 zu einem wichtigen hochschulischen Ausbildungsstandort und in Verbindung mit der Informationsstelle des Tanzbüro Berlin und den von Künstlern und der Tanzfabrik Berlin genutzten Studios zu einer neuen kommunikativen Schnittstelle für Zeitgenössischen Tanz in Berlin.
(Stand Mai 2010)


Beitrag von Elisabeth Nehring in
"Jahresheft Tanzplan Deutschland 2006/07" (März 07)


Permanente Gestaltung
Unübersehbar nimmt das Berliner Pilotprojekt eine Sonderstellung unter allen Tanzplan-vor-Ort-Initiativen ein. Idee und Realisierung eines "Hochschulübergreifenden Zentrums Tanz", in dem sich neue, staatlich anerkannte Ausbildungen für zeitgenössischen Tanz ansiedeln sollen, gleichen einer Reise mit offenem Ausgang, auf der alles erst gefunden, ja buchstäblich neu erfunden werden muss: Inhalte und äußere Strukturen, die Kooperationen unterschiedlichster Partner, die Abstimmung der Curricula und der konkrete Ort, an dem sich das Vorhaben schließlich realisieren kann. Jeder Schritt will erforscht, ausprobiert, verhandelt werden. Es gibt kein Beispiel und kein Vorbild – das macht diesen Prozess so einzigartig und nervenaufreibend komplex.

Im Rahmen des Pilotprojekts Tanzplan Berlin sollen vorerst zwei Ausbildungen kreiert werden, die dem sich wandelnden Berufsbild des Tänzers und Choreographen Rechnung tragen. Da Tänzer nicht mehr nur Ausführende einer choreographischen Idee, sondern längst selbst zentraler Teil des schöpferischen Prozesses sind, zielen die Studiengänge auf die Förderung eines selbstständigen, kreativen "Tänzer-Choreographen". Dazu soll es eine enge Verzahnung des Studiums mit dem professionellen Feld geben, sprich: vielfältige Zusammenarbeiten mit in der Stadt arbeitenden Choreographen und Künstlern anderer Sparten sowie Kooperationen mit Festivals und Spielstätten. Ausbildung also, die nicht im abgeschiedenen akademischen Raum stattfindet, sondern mitten in der künstlerischen Praxis. Daher braucht sie flexible und "unverschulte" Strukturen, die sich in einem permanenten Gestaltungsprozess weiter entwickeln und verändern können. Und tatsächlich, welcher Ort würde sich hierfür besser anbieten als Berlin, die Stadt mit der größten Choreographen-Dichte Deutschlands und dem vitalsten künstlerischen Output?!

Lange bevor die Kulturstiftung des Bundes im Januar 2006 die für den Tanzplan vor Ort ausgewählten Städte bekannt und damit auch den Startschuss für das hauptstädtische Pilotprojekt gab, hatte sich in der heterogenen Berliner Tanzszene bereits Außerordentliches ereignet. Auf Initiative des aus verschiedenen professionellen Berliner Institutionen und Veranstaltern zusammengesetzten Netzwerks TanzRaum Berlin und mit Unterstützung der Senatverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur hatten sich die Universität der Künste (UdK), die Hochschule für Schauspielkunst ‚Ernst Busch’ (HfS) und Vertreter der freien Szene zusammen gefunden. Gemeinsam konstatierten sie nicht nur Defizite in der deutschen Tanzausbildung, sondern entwarfen auch ein Konzept für ein "Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz", maßgeblich unterstützt von der damaligen Staatssekretärin für Kultur Barbara Kisseler und betreut von Claudia Feest, die vom Senat eigens als Koordinatorin des Projektes eingesetzt wurde.

Dieses Hochschulübergreifende Zentrum Tanz existiert nun offiziell seit Juni 2006, getragen von den beiden Kunsthochschulen UdK und HfS, institutionell verbunden mit der TanzRaum Berlin GmbH als Kooperationspartner. Es bildet die Basis für das Pilotprojekt. Vertreter des TanzRaum Berlins sind verantwortlich für den Aufbau des Bachelor-Studiengangs "Zeitgenössischer Tanz, Kontext, Choreographie", der zum Sommersemester 2007 erste Studenten aufnimmt; Prof. Rhys Martin vom Musical-Studiengang der UDK entwickelt in Abstimmung mit dem TanzRaum Konzeptideen für einen Masterstudiengang "Solo/Dance/Authorship", der voraussichtlich im Wintersemester 2007 an den Start geht. Zukünftige Integrationen oder Kooperationen mit weiteren Studiengängen, wie z.B. einem MA Tanzwissenschaft, einem MA Choreographie sowie einem MA Tanzpädagogik sind konkrete Teile des Konzepts.

Die angestrebte Vernetzung mit der Praxis spiegelt sich auch in dem Konzept für den Standort der Ausbildungsstätte. Auf einem ehemaligen Fabrikgelände in Berlin Mitte soll nicht nur das Zentrum selbst untergebracht werden, sondern auch Arbeitsräume für Choreographen, Studios für Proben, Trainings- und Seminarräume entstehen. Sukzessive sollen dann Institutionen wie die Tanzfabrik, das Tanzbüro, die Tanzwerkstatt und das Mimecentrum als zentrale Informations- und Dokumentationsstelle einziehen – ein Arbeitsort für den zeitgenössischen Tanz, der Produktion, Ausbildung und Organisation in einer räumlichen Struktur versammelt.

Das Jahr 2006 diente als erste Recherchephase für das Pilotprojekt, vom Tanzplan Deutschland mit 260 000 Euro unterstützt. Ausgehend von der Frage nach notwendigen Inhalten, Organisations- und Vermittlungsformen wurden Symposien abgehalten, in neue Formen des Unterrichts erprobt und Lehrpläne für eine flexible Studiengangsstruktur erstellt. Dem Gedanken entsprechend, dass nicht eine einzelne Künstlerpersönlichkeit als sinnstiftende Lichtgestalt den obersten Rang der Hierarchie des Hochschulübergeifenden Zentrums bilden soll, findet sich mit Eva Maria Hoerster, Ingo Reulecke und Boris Charmatz ein dreiköpfiges Leitungsteam zusammen. Ein internationaler Beirat sowie eine Fachkommission aus externen Experten arbeiten in beratender Funktion dem Aufbau der Curricula des BA’s und MA’s zu. Bis 2009 wird Tanzplan Deutschland das Pilotprojekt mit 772 700 Euro fördern; durch das Matching dieser Förderung durch die beteiligten Hochschulen und das Land Berlin stehen dem Projekt insgesamt ca. 2,2 Millionen Euro zur Verfügung.

Für den Bachelor-Studiengang "Zeitgenössischer Tanz, Kontext, Choreographie", der von Beginn an sowohl auf von Mentoren betreute eigenständige künstlerische Arbeit als auch auf ein breites Seminarangebot setzt, ist ein inhaltliches Modulsystem entwickelt worden, das von "Wissensdramaturgien" und "Experimentelle Pädagogik" über "Körperrealitäten" bis zu "Eigenen Projekten" reicht. Mehr als dem systematischen Erwerb von Fachwissen oder formaler Virtuosität sollen sich die Studierenden disziplinübergreifend kinetischer, choreographischer und konzeptioneller Bildung und deren kritischer und kreativer Bearbeitung widmen.

Hier knüpfen auch die Inhalte des Master-Studiengangs "Solo/Dance/Authorship" an, der sich an erfahrene Tänzer und Performer richtet. In einer zweijährigen Fortbildungs- und Research-Phase können sie ihren ganz individuellen, auch disziplinübergreifenden Zugang zu Tanz und Choreographie weiterentwickeln sowie die eigene künstlerische Handschrift, ihre Autorenschaft. Unhierarchische Methoden des Mentoring, von erfahrenen Künstlern geleitete Intensivworkshops plus Synergien mit anderen künstlerischen Sparten wie Musik, Film, Performance oder bildender Kunst sollen im Zentrum dieses Studiums stehen.

Dass beide Studiengänge ihr eigentliches Profil erst in der Praxis entfalten werden, liegt im Konzept des Pilotprojekts begründet. Sowohl Lehrende als auch Studierende werden ihre Erfahrungen dokumentieren. Damit nicht genug, steht das gesamte Pilotprojekt unter wissenschaftlicher Beobachtung, seine Prozesse und Ergebnisse werden dokumentiert und archiviert – nicht nur Selbstbefragung, sondern auch Selbstvergewisserung und Futter für den Diskurs der interessierten Fachöffentlichkeit.

Welche Inhalte und Strukturen 2009, am Ende des Pilotprojekts Gültigkeit erlangen und die Grundlage für den Aufbau eines neuen Instituts schaffen, bleibt abzuwarten. Dem Konzept allerdings gibt die erste Resonanz schon einmal Recht: Auf die Ausschreibung des BA-Studienganges zum Sommersemester 2007 gab es mit 181 Bewerbungen einen unerwarteten Ansturm. Siebzehn von ihnen werden sich ab April auf die Reise begeben und wer weiß mit welchen Schätzen zurückkommen.705

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[ Kontakt vor Ort ]677
Judith Brückmann681
Uferstudios682
Uferstraße 23683
13357 Berlin684
Tel. 49 (0)30.3185-2902685
www.hzt-berlin.de686

[ Partner ]678
Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch"687
TanzRaumBerlin GmbH688
Universität der Künste Berlin689

[ Förderer vor Ort ]679
Land Berlin / Senatskanzlei - Kulturelle Angelegenheiten697

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